Einstandspreis & FIFO-Bewertung
Diese Seite erklärt von A bis Z, wie Flowkom deine Einkaufskosten berechnet: Was der Einstandspreis ist, wie er beim Wareneingang entsteht (inklusive Fremdwährung und Frachtkosten), wie die FIFO-Bewertung daraus deinen Lagerwert und deine Gewinne ermittelt — und was Festschreiben bedeutet. Wenn du verstehen willst, warum im Profitbutler oder in der Bestandsbewertung eine bestimmte Zahl steht, ist das hier die Referenz.
Die Kurzfassung
- Jeder Wareneingang bekommt einen Einstandspreis pro StĂĽck: Einkaufspreis (in EUR umgerechnet) plus anteilige Nebenkosten (Fracht, Zoll, Sonstiges).
- FIFO („First In, First Out”) bedeutet: Verkauft wird rechnerisch immer zuerst die älteste Ware. Dein Lagerbestand besteht deshalb immer aus den zuletzt eingekauften Chargen — und genau deren Einstandspreise bestimmen Lagerwert und Gewinnrechnung.
- Ändern sich Kosten nachträglich (die Frachtrechnung kommt Wochen später), rechnet Flowkom automatisch alles neu — außer du hast die Bestellung festgeschrieben.
Schritt 1: So entsteht der Einstandspreis beim Wareneingang
Rechnen wir ein echtes Beispiel durch. Du bestellst bei einem USD-Lieferanten:
- 2.000 StĂĽck zu je 0,215 USD
- Frachtkosten: 189 EUR, Verteilung „Nach Menge”
- Wechselkurs im Kosten-Tab der Bestellung: 1 EUR = 1,1644 USD
| Rechenschritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| StĂĽckpreis in EUR | 0,215 USD Ă· 1,1644 | 0,1846 EUR |
| Frachtanteil pro StĂĽck | 189 EUR Ă· 2.000 StĂĽck | 0,0945 EUR |
| Einstandspreis pro StĂĽck | 0,1846 + 0,0945 | 0,2791 EUR |
Dieser Wert wird beim Wareneingang pro Position gespeichert („Einstand” in der Positionsliste der Lieferantenbestellung) und wandert von dort in alle Auswertungen. Wichtig: Es ist immer der Preis pro Stück dieser konkreten Charge — eine spätere Bestellung desselben Artikels kann einen anderen Einstandspreis haben.
Woher kommt der Wechselkurs?
Bei Lieferanten mit Fremdwährung pflegst du den Kurs im Reiter Kosten der Lieferantenbestellung (Karte Wechselkurse). Mit Kurs abrufen holt Flowkom den offiziellen EZB-Tageskurs, du kannst ihn aber auch manuell setzen (z. B. deinen tatsächlichen Bank-Umrechnungskurs). Dieser Kurs gilt für beides:
- die Umrechnung der Warenwerte (StĂĽckpreise der Positionen) in EUR
- alle Kostenzeilen, die in derselben Fremdwährung erfasst sind
Ohne gepflegten Kurs rechnet Flowkom 1:1 — bei einem USD-Lieferanten wäre der Einstandspreis dann um den Wechselkurs zu hoch. Deshalb: bei jeder Fremdwährungs-Bestellung einmal kurz „Kurs abrufen” klicken.
Wie werden Fracht, Zoll & Co. verteilt?
Nebenkosten erfasst du als Kostenzeilen im Kosten-Tab — beliebig viele, jede mit Typ (Fracht / Zoll / Sonstige), Betrag, Währung und eigener Verteilmethode:
| Methode | Verteilung | Typischer Fall |
|---|---|---|
| Nach Volumen | Große/sperrige Artikel tragen mehr | Seefracht, Container — der Laderaum ist der Engpass |
| Nach Warenwert | Teure Artikel tragen mehr | Zoll (immer prozentual auf den Warenwert!), Versicherung |
| Nach Menge | Jedes Stück trägt gleich viel | Handling-Pauschalen, Etikettierung |
Voreinstellung: Fracht → Volumen, Zoll → Warenwert, Sonstige → Warenwert. Fehlen bei einem Artikel die Maße, kann die Volumen-Methode für ihn nicht rechnen — Flowkom verteilt dann für diese Position nach Menge und zeigt einen orangen Hinweis an der Position („Keine Artikelmaße — Fracht nach Menge verteilt”). Maße am Artikel nachpflegen, und die Verteilung korrigiert sich automatisch.
Alle Details zu den Kostenzeilen stehen auf der Seite Nachlaufkosten.
Schritt 2: FIFO — welcher Einstandspreis gilt „jetzt”?
Ein Artikel hat selten nur einen Einstandspreis: Du kaufst ĂĽber das Jahr mehrmals ein, zu unterschiedlichen Preisen und Frachtraten. FIFO beantwortet die Frage, was die Ware wert ist, die jetzt in deinem Regal liegt.
Das Prinzip an einem Beispiel
- Mai: Wareneingang 500 StĂĽck Ă 5,00 EUR Einstand
- Juni: Wareneingang 500 StĂĽck Ă 5,70 EUR Einstand (Frachtraten gestiegen)
- Seitdem: 100 Stück verkauft → aktueller Bestand 900
FIFO sagt: Die 100 verkauften Stücke kamen aus der ältesten Charge (Mai). Übrig sind also:
| Charge | Rest | Einstand |
|---|---|---|
| Mai | 400 StĂĽck | 5,00 EUR |
| Juni | 500 StĂĽck | 5,70 EUR |
Der aktuelle Einstandspreis ist der gewichtete Durchschnitt dieses Restbestands:
(400 Ă— 5,00 + 500 Ă— 5,70) Ă· 900 = 5,39 EUR
Verkaufst du weiter, schrumpft zuerst die Mai-Charge. Ist sie leer, springt der Einstandspreis automatisch auf 5,70 EUR — dein System spiegelt immer die Ware wider, die physisch noch da ist. Genau so verhält sich auch dein Lagerwert: 400 × 5,00 + 500 × 5,70 = 4.850 EUR.
Die Sonderfälle, sauber geregelt
| Situation | Was Flowkom rechnet |
|---|---|
| Artikel ausverkauft (Bestand 0) | Es gilt der Einstandspreis der jüngsten Charge — die beste Schätzung dafür, was der Artikel „aktuell kostet” (z. B. für die Gewinnrechnung vergangener Verkäufe). |
| Noch nie Wareneingang gebucht | RĂĽckgriff auf den Einkaufspreis des bevorzugten Lieferanten aus der Lieferanten-Zuordnung. |
| Manueller Einstandspreis | Auf der Produktseite kannst du einen Einstandspreis von Hand setzen und per Schalter bevorzugen — dann gewinnt er immer über FIFO. Ohne aktiven Schalter wird der manuelle Wert ignoriert (er dient nur als Notiz). |
| Freie Wareneingänge (ohne Bestellung) | Zählen bewusst nicht in die FIFO-Bewertung — sie haben keinen belastbaren Einkaufspreis. |
| Amazon-FBA-Bestand | Zählt zum Bestand dazu — die Ware gehört dir und kam ursprünglich über deine Wareneingänge herein. |
Die Reihenfolge in Kurzform: Manuell (wenn bevorzugt) → FIFO über Restbestand → Lieferanten-EK → kein Wert.
Wo dieser Einstandspreis ĂĽberall verwendet wird
Überall dieselbe Zahl — es gibt bewusst eine Berechnungsmethode im ganzen System:
| Bereich | Verwendung |
|---|---|
| Produktseite → Lieferant & Kosten | Zeigt den FIFO-Einstandspreis inkl. Aufschlüsselung nach Chargen. |
| Profitbutler (Dashboard, Kanäle, Regionen, Artikel-Tab) | Warenkosten in jeder Gewinnrechnung. |
| Bestandsbewertung & LadenhĂĽter | Lagerwert = Restmengen Ă— Chargen-Einstandspreise; Kapitalbindung. |
| Verkaufspreiskalkulation | „Berechneter Einstandspreis (FIFO über Restbestand)” als Kostengrundlage. |
| Sellerboard-EK-Export | Exportiert den aktuellen FIFO-Einstandspreis je SKU zu Sellerboard. |
| Bestellvorschlag | Indirekt — Bestand und Verbrauch entscheiden dort, der Einstand fließt in die Wirtschaftlichkeit deiner Entscheidung. |
Schritt 3: Nachträgliche Änderungen & Festschreiben
Automatische Neuberechnung
Die Frachtrechnung kommt drei Wochen nach dem Container, der Zollbescheid noch später — Alltag im Import. Deshalb gilt: Jede Änderung an Kostenzeilen, Wechselkursen oder Artikelmaßen berechnet die Einstandspreise der Bestellung automatisch neu — rückwirkend für alle bereits gebuchten Wareneingänge und alle Auswertungen, die darauf aufbauen. Du musst nichts anstoßen.
Ein Hinweis zur Zeitachse: Auswertungen über vergangene Zeiträume rechnen mit dem jeweils aktuellen Einstandspreis, nicht mit dem historischen Wert zum Verkaufstag. Für die Frage „verdiene ich an diesem Artikel Geld?” ist das die richtige Sicht; eine centgenaue Vergangenheits-Buchhaltung pro Verkaufstag ist bewusst nicht das Ziel.
Festschreiben: den Einstand einfrieren
Wenn eine Bestellung komplett abgerechnet ist (Ware da, alle Rechnungen erfasst), kannst du sie im Detail-Overlay festschreiben (Schloss-Symbol; nur möglich nach abgeschlossenem Wareneingang). Ab dann gilt:
- Die Einstandspreise dieser Bestellung sind eingefroren — keine automatische Neuberechnung mehr, auch nicht durch spätere Maß- oder Verpackungsänderungen am Artikel.
- Der Kosten-Tab ist schreibgeschĂĽtzt.
- Festgeschriebene Bestellungen erkennst du am grünen „Festgeschrieben”-Badge in Übersicht und Kanban.
- Entsperren kann nur ein Admin (mit Bestätigung) — danach greifen Änderungen wieder normal.
Empfehlung: Festschreiben, sobald die letzte Rechnung zur Bestellung verbucht ist. So können spätere Stammdaten-Änderungen deine historischen Margen nicht mehr verschieben.
Häufige Fragen
Warum hat sich mein Einstandspreis geändert, obwohl ich nichts gemacht habe? Vermutlich ist eine ältere, günstigere Charge abverkauft — der FIFO-Preis springt dann auf die nächste (teurere) Charge. Das ist korrekt: Deine Regale enthalten jetzt nur noch die teurere Ware.
Warum weicht der Wert von Sellerboard ab? Sellerboard kennt nur den EK, den du dort hochgeladen hast (Stichtags-Wert). Flowkom rechnet laufend mit den echten Chargen. Mit dem EK-Export überträgst du den aktuellen Flowkom-Wert nach Sellerboard.
Ein Artikel zeigt gar keinen Einstandspreis — warum? Es gab noch keinen Wareneingang über eine Lieferantenbestellung, es ist kein bevorzugter Lieferant mit Einkaufspreis hinterlegt, und es ist kein manueller Einstandspreis aktiviert. Eine der drei Quellen pflegen, dann erscheint der Wert.
Der Einstandspreis einer USD-Bestellung sieht zu hoch aus. Prüfe im Kosten-Tab der Bestellung, ob für die Lieferanten-Währung ein Wechselkurs gepflegt ist. Ohne Kurs wird 1:1 gerechnet. Kurs setzen genügt — alles rechnet sich automatisch neu (sofern nicht festgeschrieben).