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EinkaufVersandinfo-Tags

Versandinfo-Tags

Versandinfo-Tags sind zwei kleine Metadaten-Felder an jeder Lieferantenbestellung (LB): Incoterm und Transportart. Zusammen beantworten sie zwei Fragen, die im internationalen Einkauf fast jeden Tag wichtig werden: Wer trägt welche Kosten und Risiken — und wie kommt die Ware überhaupt ins Lager?

Beide Tags werden als farbige Badges in der LB-Übersicht und im Detail angezeigt und sind im Filter-Drawer auswählbar. So erkennst du auf einen Blick, welche Bestellungen per Luftfracht im Zulauf sind, welche DDP-Sendungen noch ankommen oder bei welcher FOB-Bestellung du selbst die Seefracht organisieren musst.

Wann solltest du die Tags setzen?

Am besten direkt beim Anlegen der LB, sobald der Lieferant seine Proforma-Rechnung oder das Angebot geschickt hat. Die Incoterm-Klausel steht fast immer auf dem Angebot (z.B. „FOB Shanghai” oder „DDP Hamburg”); die Transportart ergibt sich aus der Versandart.

Tipp: Setze die Tags lieber früh mit der besten Schätzung als gar nicht. Sie sind jederzeit änderbar und dienen intern als Filter- und Sortierhilfe — nicht als rechtsverbindliches Vertragsdokument.

Incoterm

Incoterms (Abkürzung für International Commercial Terms) sind standardisierte Klauseln der Internationalen Handelskammer (ICC), die in drei Buchstaben festhalten, wer Kosten, Risiko und Zollabfertigung entlang der Transportkette trägt. Flowkom verwendet die Incoterms 2020 — die aktuell gültige Fassung.

Alle 11 Incoterms 2020

CodeNameKosten bisRisikoĂĽbergangTypischer Use-Case
EXWEx Works (Ab Werk)Werk des VerkäufersBeim Abholen am WerkLieferant stellt nur bereit, du organisierst ALLES inkl. Export
FCAFree Carrier (Frei FrachtfĂĽhrer)Ăśbergabe an den FrachtfĂĽhrerĂśbergabe an FrachtfĂĽhrerDu benennst den Spediteur, Lieferant exportfertig liefern
FASFree Alongside Ship (Frei Längsseite Schiff)Längsseite Schiff im AbgangshafenAm Kai längsseits SchiffSchüttgut, Projektladung — reine Seefracht
FOBFree On Board (Frei an Bord)Ware an Bord des SchiffsAn Bord des SchiffsContainer-Seefracht aus Asien, Klassiker für Händler
CFRCost and Freight (Kosten und Fracht)Bestimmungshafen (Seefracht bezahlt)An Bord des SchiffsLieferant bucht Seefracht, du trägst Risiko ab Abgangshafen
CIFCost Insurance FreightBestimmungshafen inkl. TransportversicherungAn Bord des SchiffsWie CFR + Mindest-Versicherung durch den Lieferanten
CPTCarriage Paid To (Frachtfrei)Vereinbarter BestimmungsortĂśbergabe an ersten FrachtfĂĽhrerMultimodal (Luft/LKW/Bahn), Lieferant zahlt Fracht
CIPCarriage Insurance PaidBestimmungsort inkl. All-Risk-VersicherungĂśbergabe an ersten FrachtfĂĽhrerWie CPT + Vollversicherung (ICC-A) durch Lieferant
DAPDelivered at Place (Geliefert benannter Ort)Bis zum benannten Ort (unentladen)Am BestimmungsortLieferant bringt bis an deine Rampe, du ĂĽbernimmst Einfuhrzoll
DPUDelivered at Place UnloadedBenannter Ort, entladenNach Entladung am ZielortLieferant entlädt selbst, du übernimmst Einfuhrzoll
DDPDelivered Duty Paid (Verzollt geliefert)Bis zur Haustür inkl. Einfuhrzoll & SteuernAm BestimmungsortLieferant übernimmt ALLES inkl. Zoll — du bekommst die Ware einfach geliefert

Merksatz: Von EXW nach DDP wächst der Umfang der Lieferantenleistung. EXW = Lieferant macht möglichst wenig, DDP = Lieferant macht alles.

Drei typische Szenarien für Händler

Die wichtigste Entscheidung im Alltag liegt meist zwischen FOB, CIF und DDP. Ein kurzer Vergleich:

SzenarioFOB ShanghaiCIF HamburgDDP Lager
Seefracht buchenDuLieferantLieferant
TransportversicherungDuLieferant (Mindest)Lieferant
Einfuhrzoll & EUStDuDuLieferant
LKW-Nachlauf zum LagerDuDuLieferant
Transparenz über echte KostenHoch — du siehst jeden PostenMittelNiedrig — alles im Warenwert
Aufwand fĂĽr dichHochMittelMinimal
Wer braucht das?Händler mit eigenem SpediteurEinsteiger in SeefrachtKleinmengen, Sonderposten, Tests

Ein Beispiel: Du kaufst 500 Geräte in Shenzhen.

  • FOB Shanghai: Der Lieferant ĂĽbergibt die Ware an Bord des Schiffs in Shanghai. Du bezahlst Seefracht, Versicherung, Einfuhrzoll, EUSt und den LKW zu deinem Lager. GĂĽnstigster Einkaufspreis, aber du brauchst einen Spediteur.
  • CIF Hamburg: Der Lieferant bucht Seefracht und Mindest-Versicherung bis Hamburg. Du trägst ab Hamburg-Hafen: Zoll, EUSt und LKW ins Lager. Bequemer als FOB, etwas teurer.
  • DDP Lager: Der Lieferant liefert direkt vor deine Rampe und ĂĽbernimmt Zoll und EUSt. Einfachste Variante, höchster Preis pro StĂĽck — aber null operativer Aufwand fĂĽr dich. Vorsicht: Bei DDP bist du steuerrechtlich trotzdem fĂĽr die korrekte EUSt-Anmeldung mitverantwortlich, falls der Lieferant schlampt.

Transportart

Die Transportart beschreibt, womit die Ware physisch bewegt wird. Flowkom kennt vier Werte:

ModusBezeichnungTypische Laufzeit aus AsienTypischer Use-Case
SchiffSeefracht (FCL/LCL)30–45 TageMassenware, Container, Planbarer Bedarf
LuftLuftfracht5–10 TageEilige Ware, Launch-Termine, hochwertige Kleinmengen
ZugSchienentransport (z.B. China–Duisburg)18–22 TageMittelweg zwischen Schiff und Luft, begrenzte Kapazität
LKWStraßentransport1–7 Tage (EU-intern)Europäische Lieferanten, Nachlauf vom Hafen, Postmaterial

Tipp: Die Transportart ist unabhängig von der Incoterm-Klausel. Ein Lieferant kann dir per DDP entweder per Seefracht oder per Luftfracht liefern — die Kosten und die Laufzeit unterscheiden sich drastisch, die Haftungsverteilung nicht.

Laufzeiten in der Bedarfsplanung

Nutze die Transportart als Heuristik fĂĽr deine Wiederbeschaffungszeit:

Die Produktionszeit (~14 Tage) ist im Beispiel konstant — der echte Unterschied entsteht erst beim Transport. Wer mit Seefracht kalkuliert und beim nächsten Mal unerwartet auf Luft umsteigt, spart ~4 Wochen Wiederbeschaffung, zahlt aber oft das Drei- bis Fünffache pro Kubikmeter.

Filter & Ăśbersicht

In der LB-Ăśbersicht erscheinen Incoterm und Transportart als farbige Badges direkt neben der Bestellnummer. Ăśber den Filter-Drawer kannst du gezielt filtern:

  • Nur Luftfracht-Sendungen anzeigen (fĂĽr Express-Priorisierung im Wareneingang)
  • Nur DDP-Bestellungen (weil die keinen Zollprozess bei dir auslösen)
  • FOB + Schiff kombiniert (fĂĽr den Ăśberblick ĂĽber die klassische Container-Pipeline aus Asien)

Die Badges werden ebenfalls in der Detail-Ansicht und in der Kanban-Darstellung der LBs angezeigt — so bleibt die Information überall präsent, ohne dass du erst in die Bestellung hineinklicken musst.

Häufige Fragen

Sind die Incoterms vertraglich bindend, wenn ich sie in Flowkom setze?

Nein. Das Tag ist ein reines Metadaten-Feld für deine interne Übersicht. Rechtlich gilt, was auf der Auftragsbestätigung bzw. dem Vertrag mit dem Lieferanten steht. Das Flowkom-Tag sollte aber immer mit der Vertragsklausel übereinstimmen — sonst erzeugt es Verwirrung.

Warum fehlen DAT und DDU?

DAT (Delivered at Terminal) wurde mit Incoterms 2020 zu DPU (Delivered at Place Unloaded) umbenannt und erweitert. DDU (Delivered Duty Unpaid) wurde bereits 2010 durch DAP ersetzt. Flowkom unterstĂĽtzt ausschlieĂźlich die aktuelle Fassung 2020.

Kann ich auch einen eigenen Incoterm ergänzen?

Nein, die 11 Codes sind durch die ICC festgelegt und in Flowkom fix hinterlegt. Wenn du eine abweichende Klausel vereinbart hast (z.B. länderinterne Sonderformen), erfasse sie als Freitext in der Notiz zur LB und lass das Tag leer.

Was ist, wenn ich beide Angaben gar nicht kenne?

Lass sie leer. Beide Felder sind optional. In der Ăśbersicht erscheint dann kein Badge; im Filter tauchen die LBs nur auf, wenn du sie ohne Incoterm/Transportart filterst.

Technische Details

Datenbankfelder

Die Tags werden auf der Tabelle purchase_orders in zwei nullable Spalten gespeichert:

SpalteTypWertebereich
incotermTEXT (nullable)EXW, FCA, FAS, FOB, CFR, CIF, CPT, CIP, DAP, DPU, DDP
transport_modeTEXT (nullable)sea, air, rail, road

Die zulässigen Werte werden serverseitig mit Zod (incotermSchema, transportModeSchema in src/lib/validations/shipping-tags.ts) validiert und per CHECK-Constraint in PostgreSQL abgesichert.

Ăśbersetzungen

Die englischen Incoterm-Langnamen (z.B. „Free On Board”) kommen direkt aus den offiziellen ICC-Definitionen und werden in INCOTERM_LABELS gepflegt. Die Transportart-Werte sind intern englisch (sea / air / rail / road), damit sie stabil bleiben; die Anzeige ist deutsch (Schiff / Luft / Zug / LKW).

Audit Trail

Änderungen an Incoterm oder Transportart werden wie andere LB-Feldänderungen in der Aktivitäts-Timeline der Lieferantenbestellung protokolliert (wer, wann, vorher/nachher).