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BillkomSteuern

Steuern

Billkom bestimmt den Steuersatz nicht aus einer Voreinstellung, sondern aus dem Vorgang: Absenderland, Empfängerland, USt-IdNr. des Kunden und deine bisherigen EU-Umsätze ergeben zusammen das Szenario.

Empfängerland ist das Land, in das die Ware geht: das Land der Lieferadresse des Auftrags, nicht das der Rechnungsadresse. Ohne Lieferadresse gilt die Standard-Lieferadresse des Kunden, danach die Rechnungsadresse. Auf der Rechnung steht immer die Rechnungsadresse.

Diese Seite erklärt, wie Billkom rechnet — sie ist keine Steuerberatung. Sonderfälle wie Differenzbesteuerung, Dienstleistungen oder abweichende Betriebsstätten sind nicht abgebildet. Im Zweifel: Steuerberater.

Die Szenarien in ihrer Reihenfolge

Billkom prüft von oben nach unten und nimmt den ersten Treffer.

1. Marktplatz führt die Steuer ab

Hat der Marktplatz die Umsatzsteuer bereits einbehalten und abgeführt, darf keine Rechnung entstehen. Billkom erzeugt stattdessen eine interne Abrechnung — einen Zahlungsbeleg ohne Rechnungscharakter.

Das ist kein Sonderfall, sondern bei Amazon, Otto und Kaufland in vielen Konstellationen der Normalfall. Eingestellt wird das je Kanal, siehe Kanäle.

2. Kleinunternehmer nach §19 UStG

Ist die Kleinunternehmerregelung aktiv, weist Billkom keine Umsatzsteuer aus — unabhängig vom Zielland — und setzt den Hinweis nach §19 UStG auf den Beleg. Nur der Marktplatz-Einbehalt geht vor.

3. Inland

Absender- und Empfängerland gleich → der inländische Steuersatz aus deinen Steuersätzen je Land.

4. EU-Geschäftskunde mit gültiger USt-IdNr. → Reverse Charge

Liegt eine geprüfte USt-IdNr. vor, stellt Billkom netto mit Reverse-Charge-Hinweis aus.

Die USt-IdNr. muss aus einem anderen Land stammen als dem, aus dem du versendest (§ 6a Abs. 1 Nr. 4 UStG). Liefert ein deutscher Kunde mit deutscher USt-IdNr. nach Österreich, ist das keine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung: Billkom rechnet mit deutscher Umsatzsteuer und zeigt einen Hinweis.

Geprüft heißt geprüft. Ist die USt-IdNr. angegeben, aber nicht validiert, rechnet Billkom wie bei einem Privatkunden und weist Steuer aus — mit Warnhinweis. Das ist die sichere Richtung: Reverse Charge auf eine ungültige Nummer bleibt an dir hängen.

5. EU-Privatkunde → OSS

Bei Privatkunden im EU-Ausland gilt der Steuersatz des Empfängerlandes, sobald die Lieferschwelle überschritten ist.

Die Schwelle liegt bei 10.000 € EU-weit pro Jahr — nicht pro Land. Billkom zählt mit und warnt beim Überschreiten:

„Die OSS-Lieferschwelle von 10.000,00 EUR wurde überschritten. Bitte registrieren Sie sich für das One-Stop-Shop-Verfahren, bevor Sie weitere EU-B2C-Belege erstellen.”

Diese Warnung ist ernst zu nehmen. Ohne OSS-Registrierung müsstest du dich in jedem betroffenen Land einzeln registrieren.

6. Drittland → steuerfreie Ausfuhr

Lieferung in ein Land außerhalb der EU → 0 % mit dem Hinweis „Steuerfreie Ausfuhrlieferung gemäß §4 Nr. 1a i.V.m. §6 UStG”.

Die Steuerfreiheit hängt am Ausfuhrnachweis. Den musst du aufbewahren — Billkom setzt den Rechtshinweis, kann den Nachweis aber nicht erbringen.


Mehrere Steuersätze und Versand

Das Szenario bestimmt, wo besteuert wird. Den Satz rechnet Billkom bei automatischen Rechnungen je Position:

  • Ware im Inland (besteuert im Land deines Firmensitzes): der Satz des Artikels unter Umsatzsteuer (Inland); eine Variante ohne eigenen Satz nimmt den ihres Elternartikels.
  • Ware im Ausland (OSS oder Versand aus einem Lager dort): der Eintrag des Artikels für dieses Land unter Umsatzsteuer in anderen Ländern, an einer Variante ihr eigener, sonst der des Elternartikels. Ohne Eintrag gilt der Normalsatz des Landes.
  • In den steuerfreien Szenarien gilt 0 %.
  • Versand und Geschenkverpackung folgen der Ware. Hat die Ware einen einzigen Satz, gilt dieser. Bei Ware zu mehreren Sätzen teilt Billkom die Versandkosten nach dem Bruttowert der Ware je Satz auf, mit je einer Zeile „Versand (7 %)“ und „Versand (19 %)“. Die Summe bleibt auf den Cent der bezahlte Betrag.
  • Der bezahlte Bruttobetrag jeder Position bleibt. Aus ihm wird das Netto zum jeweiligen Satz herausgerechnet.

Beispiel: Landkarte 12,99 € (7 %), Poster 29,99 € (19 %), Versand 4,90 €. Die Ware steht zu etwa 30 % auf 7 % und zu 70 % auf 19 %, also „Versand (7 %)“ 1,48 € und „Versand (19 %)“ 3,42 €.

Satz fehlt? Fehlt in deinen Steuersätzen je Land der Satz, den ein Artikel braucht, entsteht für den Auftrag keine automatische Rechnung, statt einer mit falschem Satz. Lege den Satz an und erstelle die fehlenden Rechnungen danach über den Kundenauftrag.

Gutschriften behalten die Sätze der Rechnung: Die positionsweise Gutschrift erstattet jede Position mit ihrem Satz, auch die aufgeteilten Versandzeilen. Eine Betragsgutschrift zu einer Rechnung mit mehreren Sätzen teilt den Betrag nach dem Bruttowert je Satz der Rechnung auf. Im DATEV-Export bucht jede Zeile auf das Erlöskonto ihres Satzes.

Steuersätze je Land

Unter Einstellungen → Billkom → Steuern steht die Tabelle EU-Steuersätze: je EU-Land und Nordirland der Normalsatz und bis zu drei ermäßigte Sätze (Ermäßigt, Ermäßigt 2, Stark ermäßigt unter 5 %). Billkom nimmt daraus den Satz, der am Belegdatum gilt; die Tabelle zeigt die heute gültigen.

  • Flowkom pflegt die Sätze nach den Angaben der EU-Kommission und trägt Änderungen mit ihrem Stichtag nach (zuletzt etwa Österreich 4,9 % ab 01.07.2026, Litauen 12 % ab 01.01.2026).
  • Mit dem Stift änderst du die Sätze eines Landes selbst. Der neue Satz gilt ab heute; bestehende Belege behalten ihren Satz.
  • Der Nullsatz steht nicht in der Tabelle, er ist in jedem Land 0 %.
  • Am Artikel steht nicht der Prozentsatz, sondern welcher Satz des Landes gilt. Ändert ein Land einen Satz, musst du deshalb keinen Artikel anfassen.

Territorien: wenn das Länderkürzel nicht reicht

Der ISO-Ländercode allein bestimmt das Steuergebiet nicht zuverlässig. Billkom kennt die wichtigsten Abweichungen:

GebietBehandlung
Monaco (MC)Zählt umsatzsteuerlich zu Frankreich
Nordirland (XI)Für Warenlieferungen weiterhin EU-Gebiet
Kanarische Inseln (ES, PLZ 35xxx/38xxx)Kein EU-Steuergebiet → Ausfuhr
Ceuta und Melilla (ES, PLZ 51xxx/52xxx)Kein EU-Steuergebiet → Ausfuhr

Bei spanischen Lieferadressen entscheidet die Postleitzahl. Fehlt sie, behandelt Billkom die Adresse bewusst als EU-Gebiet — lieber Steuer ausweisen als fälschlich 0 % Ausfuhr. Trag bei Lieferungen auf die Kanaren also unbedingt die PLZ ein.

Umsatzsteuer-Auswertung

Die UStVA-Auswertung fasst die Belege für einen Zeitraum zusammen — aktueller/letzter Monat, aktuelles/letztes Quartal, laufendes Jahr.

Stichtag ist der Berliner Kalendertag. Ein Beleg vom 31.01. um 23:30 Uhr zählt zum Januar, auch wenn er in einer anderen Zeitzone erzeugt wurde.

Die Auswertung ist die Vorlage für die Voranmeldung — abgegeben wird sie außerhalb von Flowkom.

Währungen und BMF-Kurse

Für Rechnungen in Fremdwährung schreibt das Steuerrecht die Umrechnung mit einem amtlichen Kurs vor. Billkom nutzt die BMF-Monatskurse des Bundesfinanzministeriums.

Wie es läuft:

  1. Ein täglicher Abgleich holt die offiziellen Jahres-Kurstabellen und trägt fehlende Monate ein.
  2. Der Kurs wird auf offene Bestellungen angewendet, bei denen noch keiner gesetzt ist.
  3. Bereits erstellte Belege bleiben unberührt.

Manuell gepflegte Kurse haben immer Vorrang und werden nie überschrieben. Du kannst einen BMF-Monatskurs jederzeit selbst eintragen — der automatische Abgleich respektiert ihn.

Existiert für einen Monat noch kein BMF-Kurs, greift ersatzweise der EZB-Tageskurs, damit ein Beleg nicht am fehlenden Kurs scheitert.

Häufige Fragen

Warum steht auf meiner Rechnung 0 % ohne Reverse-Charge-Hinweis? Dann greift wahrscheinlich Kleinunternehmer (§19) oder Ausfuhr. Der Hinweistext auf dem Beleg sagt, welches Szenario gegriffen hat.

Der Kunde hat eine USt-IdNr., trotzdem steht Steuer drauf. Die Nummer wurde nicht erfolgreich validiert. Billkom rechnet dann bewusst wie bei einem Privatkunden — das ist die Variante, bei der du nicht auf der Steuer sitzen bleibst.

Ich verkaufe erst seit Kurzem in die EU — muss ich OSS jetzt schon? Erst ab 10.000 € EU-weiten B2C-Umsatzes im Jahr. Billkom zählt mit und warnt rechtzeitig.

Kann ich den Steuersatz an einer Rechnung überschreiben? Die Szenario-Logik ist bewusst nicht per Klick aushebelbar. Führt sie zu einem falschen Ergebnis, liegt es fast immer an Adresse, Land, PLZ, USt-IdNr. oder Kanal-Einstellung — dort korrigieren.

Gilt die Kanaren-Regel auch für Rechnungsadressen? Maßgeblich ist, wohin geliefert wird. Weicht die Rechnungsadresse ab, prüfe beide.

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