Verkaufspreise kalkulieren
Die Kalkulation dreht die übliche Frage um: Statt einen Preis zu setzen und hinterher zu schauen, was übrig bleibt, gibst du die gewünschte Marge vor — Profitbutler rechnet aus, welcher Bruttopreis dafür nötig ist. Und zwar je Land, weil Umsatzsteuer und Versandkosten pro Land verschieden sind.
Was in die Rechnung eingeht
Kosten, die dich Geld kosten (in Euro):
| Posten | Herkunft |
|---|---|
| Einstandspreis | Der Artikel selbst — siehe Einstandspreis & FIFO |
| Verpackung | Karton, Füllmaterial |
| Versand | Aus der Versandart für das jeweilige Land — abschaltbar |
| Gewichtszuschlag | Pro kg oder pro 100 g, je nach Einstellung |
Anteile, die vom Verkaufspreis abgehen (in Prozent):
| Posten | Bedeutung |
|---|---|
| Ziel-Marge | Was übrig bleiben soll — Bezugsgröße wählbar |
| Verkaufsprovision | Marktplatzgebühr |
| Werbekosten | Kalkulierter Werbeanteil |
| Umsatzsteuer | Nach Land, aus den Steuersätzen |
Worauf sich die Ziel-Marge bezieht
„25 % Marge” kann zweierlei heißen, und beides ist im Handel üblich. Unter Einstellungen → Profitbutler → Standardwerte legst du einmal für den ganzen Arbeitsbereich fest, was gemeint ist:
| Bezugsgröße | Bedeutung |
|---|---|
| Brutto-Verkaufspreis | Der Gewinn ist ein Anteil am Endpreis. Voreinstellung. |
| Einstandspreis | Aufschlag auf den Wareneinsatz — die „Faktor auf den EK”-Rechnung. |
| Selbstkosten | Aufschlag auf Einstand plus Verpackung plus Versand. |
Der Unterschied ist groß. Derselbe Artikel, dieselben 20 %:
| Bezugsgröße | Bruttopreis | Gewinn je Stück |
|---|---|---|
| Brutto-Verkaufspreis | 34,06 € | 6,81 € |
| Einstandspreis | 26,55 € | 2,00 € |
| Selbstkosten | 28,11 € | 3,00 € |
Die Einstellung gilt für alle Artikel. Absichtlich: stünden in der Artikelliste 25 % Anteil am Verkaufspreis neben 25 % Aufschlag auf den Einkauf, wäre die Spalte nicht mehr vergleichbar. Die Prozentwerte selbst bleiben pro Land und pro Artikel überschreibbar.
Beim Umschalten zeigt eine Vorschau direkt in den Einstellungen, was die eingestellten Prozent in jeder Bezugsgröße kosten. Prüfe nach dem Wechsel deine Zielwerte — dieselbe Zahl bedeutet jetzt etwas anderes.
In den beiden Aufschlag-Modi heißt das Feld Ziel-Aufschlag statt Ziel-Marge, und Werte über 100 % sind zulässig: „Faktor 3 auf den Einkauf” sind 200 % Aufschlag. Die Obergrenze liegt bei 999 %.
Wie gerechnet wird
Der entscheidende Punkt: Provision, Werbung und Steuer hängen am Verkaufspreis — den du erst suchst. Deshalb lässt sich der Preis nicht einfach aufaddieren, sondern wird geteilt.
Bezieht sich die Marge auf den Brutto-Verkaufspreis, hängt auch sie am gesuchten Preis und steht deshalb mit unter dem Bruchstrich:
Bruttopreis = (Einstandspreis + Verpackung + Versand + Gewichtszuschlag)
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1 − Ziel-Marge − Provision − Werbung − SteueranteilBei den beiden Aufschlag-Modi ist der Gewinn ein fester Betrag statt eines Anteils. Er wandert deshalb nach oben:
Bruttopreis = (Gesamtkosten + Bezugsgröße × Aufschlag)
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1 − Provision − Werbung − SteueranteilDer Steueranteil ist dabei nicht der Steuersatz selbst, sondern sein Anteil am Bruttopreis: bei 19 % sind das 0,19 / 1,19 ≈ 15,97 %.
Rechenbeispiel: 10 € Einstandspreis, 1 € Verpackung, 4 € Versand — zusammen 15 €. Ziel-Marge 20 % vom Brutto-Verkaufspreis, Provision 15 %, Werbung 5 %, Steuer 19 % (≈ 15,97 % vom Brutto). Nenner: 1 − 0,20 − 0,15 − 0,05 − 0,1597 = 0,4403. Bruttopreis: 15 / 0,4403 = 34,06 €. Im Rechenweg der App steht derselbe Nenner auf vier Nachkommastellen gerundet, gerechnet wird mit dem vollen Wert.
Versandkosten einrechnen oder nicht
Manche Betriebe kalkulieren das Porto in den Artikelpreis, andere berechnen es dem Kunden separat. Beides geht:
- Für alle Artikel: Einstellungen → Profitbutler → Standardwerte, Schalter „Versandkosten in den Verkaufspreis einrechnen”.
- Für einen einzelnen Artikel: im Profitbutler-Tab des Artikels, Abschnitt Versandinformationen. Die Auswahl Standard / Ja / Nein — „Standard” folgt der globalen Einstellung.
Ist der Versand ausgenommen, fallen Versandbasis und Gewichtszuschlag aus der Kalkulationsgrundlage. Im Beispiel oben sinken die Kosten von 15 € auf 11 €, der Bruttopreis von 34,06 € auf 24,98 €.
Im Rechenweg bleiben die Versandzeilen sichtbar, aber abgeblendet und mit dem Vermerk „nicht einkalkuliert” — der Betrag ist weiterhin ablesbar, zählt aber erkennbar nicht mit. Auch die Formelzeile enthält ihn dann nicht mehr.
Wichtig für die Auswertungen: Der Schalter betrifft nur die Preisfindung. In den Auswertungen werden die tatsächlichen Versandkosten weiterhin vom Gewinn abgezogen, und Flowkom kennt keine Versanderlös-Zeile. Wer den Versand aus dem Preis nimmt und dem Kunden kein Porto berechnet, sieht im Dashboard eine niedrigere Marge als die Zielvorgabe. Das ist die richtige Rechnung, kein Fehler.
Ist der Versand für einen Artikel nicht eingerechnet, warnt Profitbutler auch nicht mehr über fehlende Versandsätze — und steht der globale Schalter auf „nicht einrechnen”, meldet der Einrichtungs-Check weder Versandlücken noch Artikel ohne Versandart.
Wenn keine Zahl herauskommt
| Meldung | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Kein EK | Der Artikel hat keinen Einstandspreis | Einstandspreis pflegen |
| Abzüge > 100 % | Provision + Werbung + Steuer — und im Modus Brutto-Verkaufspreis zusätzlich die Marge — ergeben 100 % oder mehr | Ziel-Marge senken oder Bezugsgröße wechseln |
„Abzüge > 100 %” ist keine Fehlfunktion, sondern die richtige Antwort auf eine unmögliche Vorgabe. Wer bei 19 % Steuer und 15 % Provision noch 70 % vom Verkaufspreis als Marge will, verlangt mehr, als der Preis hergibt — bei jedem Preis. In den Aufschlag-Modi gibt es diese Grenze nicht, weil der Gewinn dort ein Betrag ist und kein Anteil.
Fehlen die Versandkosten für ein Land und der Versand wird eingerechnet, rechnet Profitbutler mit 0 € weiter und weist das aus. Der Preis ist dann zu niedrig. Pflege die Versandart nach, statt den Wert zu übernehmen.
Preise für alle Länder
Die Ansicht Brutto-Verkaufspreise zeigt in einer Tabelle je Land: Marge %, Provision %, Werbung % und den daraus errechneten Preis. So siehst du auf einen Blick, dass derselbe Artikel in Ländern mit anderer Steuer oder teurerem Versand einen anderen Preis braucht.
Verkaufst du in Fremdwährung, rechnet Profitbutler mit dem hinterlegten Wechselkurs um.
UVP-Abgleich
Der kalkulierte Preis ist krumm, der Preis im Regal ist rund. Steht am Artikel ein UVP, rechnet Profitbutler ihn zurück und zeigt, was dieser Preis tatsächlich verdient — unterhalb der Länder-Tabelle im Abschnitt UVP-Abgleich.
Den UVP setzt du direkt dort. Neben dem Eingabefeld liegen drei Schaltflächen, die den kalkulierten Preis nach oben runden und übernehmen: auf ,99, auf ,95 oder auf volle Euro. Jede zeigt den Betrag, den sie setzt — aus 34,06 € werden also 34,99 €, 34,95 € oder 35,00 €. Gerundet wird immer nach oben, nie unter den kalkulierten Preis.
Das Feld ist dasselbe wie UVP im Reiter Stammdaten: die Rechnung darunter aktualisiert sich sofort beim Tippen, gespeichert wird der Wert mit dem Artikel. Ein leeres Feld entfernt den UVP.
Drei Kacheln beantworten dann die eigentliche Frage:
| Kachel | Bedeutung |
|---|---|
| Gewinn beim UVP | Was je Stück übrig bleibt, in Euro |
| Marge bzw. Aufschlag beim UVP | Derselbe Betrag in der eingestellten Bezugsgröße, mit Vergleich zur Zielvorgabe |
| Marge am Netto-Umsatz | Die Kennzahl, unter der derselbe Artikel später in den Auswertungen erscheint |
Beispiel: Kosten 15 €, Provision 15 %, Werbung 5 %, Steuer 19 %. Bei einem UVP von 39,99 € bleiben 10,61 € Gewinn — das sind 26,5 % vom Bruttopreis, 106,1 % Aufschlag auf den Einstandspreis und 31,6 % Marge am Netto-Umsatz. Drei Zahlen, ein Betrag.
Mit hinterlegtem UVP bekommt die Länder-Tabelle zusätzlich die Spalte „bei UVP”: grün, wenn der Preis die Zielvorgabe trägt, bernstein, wenn er darunter bleibt, rot bei Verlust. Verglichen wird gegen die Zielvorgabe, die für dieses Land tatsächlich gilt — also gegen einen artikeleigenen Wert, wenn du dort einen gesetzt hast. Länder ohne hinterlegten Wechselkurs zeigen einen Strich statt einer Zahl.
Der UVP ist ein Bruttopreis in Euro. Für Länder außerhalb des Euroraums wird er mit demselben Kurs umgerechnet wie der kalkulierte Preis. Einen eigenen UVP je Land gibt es nicht — länderspezifische Preise pflegst du im jeweiligen Kanal.
Standardwerte und Ausnahmen
Bezugsgröße, Ziel-Marge, Provision, Werbung, Pick-&-Pack-Kosten und die Versandeinrechnung pflegst du einmal unter Einstellungen → Profitbutler → Standardwerte. Sie gelten für alle Artikel.
Einzelne Artikel können bei den Prozentwerten und bei der Versandeinrechnung davon abweichen — die Oberfläche kennzeichnet das als „Eigener Produkt-Wert (statt Standard)”. Sinnvoll bei Artikeln mit ungewöhnlicher Provision, bewusst knapper Marge oder abweichender Versandregel. Die Bezugsgröße ist bewusst nicht pro Artikel einstellbar.
Häufige Fragen
Setzt Profitbutler die Preise automatisch in meinem Shop? Nein. Die Kalkulation ist eine Rechnung, keine Preispflege. Auch der UVP wird nicht an Kanäle gepusht — das bleibt Sache der jeweiligen Listing-Pflege.
Ändert der Wechsel der Bezugsgröße meine Auswertungen? Nein. Dashboard, Kanal-, Regionen- und Artikelauswertung rechnen die Marge unverändert als Gewinn geteilt durch Netto-Umsatz aus echten Bestellungen. Nur die Preisfindung ändert sich.
Warum weicht der kalkulierte Preis von meinem tatsächlichen ab? Der kalkulierte Preis ist der, den du bräuchtest, um die Ziel-Marge zu erreichen. Liegt dein echter Preis darunter, verdienst du weniger als geplant — genau das zeigen der UVP-Abgleich, die Artikel-Auswertung und der Sellerboard-Tab.
Wird der kalkulierte Preis irgendwo weiterverwendet? Ja — das Angebotsformular in Billkom holt sich den Profitbutler-Verkaufspreis als Vorschlag, siehe Im Alltag. Bezugsgröße und Versandeinrechnung wirken dort mit.
Ändert sich der Preis, wenn der Einstandspreis steigt? Ja, sofort. Der Einstandspreis kommt aus der FIFO-Bewertung über den Restbestand — nach einer teureren Lieferung rechnet die Kalkulation automatisch mit dem neuen Wert.